Pferd-, und Reiterausbildung

Einführung

Für mich ist im “Reiterleben” der erste und wichtigste Gesichtspunkt das Pferd selber. Beim  Pferd, das sich heutzutage durch Menscheneinfluss zunehmend zum Sportpferd (oder auch Sportgerät) als auch zum Prestigeobjekt entwickelt, sollten wir nicht vergessen: Was ist es eigentlich wirklich, das Pferd? Es ist ein aufgrund sehr starker Instinkte funktionierendes Fluchttier, welches seine Überlebensfähigkeit im Laufe von Jahrmillionen zur Vollkommenheit brachte, welche sich in der atletischen, imposanten  Erscheinung und seiner Kraft manifestiert. Vergessen wir nicht, dass die Mehrzahl der Pferde von ihrer Natur aus als freie Wesen und für die Freiheit geboren sind,  ungeachtet, wie sehr sie zu Haustieren geworden sind. Genau das ist es, was die meisten der zum Reiten strebenden Menschen betört: Das Pferd “einbrechen (den Widerstand brechen), zähmen”, wobei niemand bedenkt, dass wir, wenn wir dies tun,  es von seiner eigentlichen Lebensart und von seinem eigenen inneren Gleichgewicht entledigen. Wir zwängen es in eine kleine Box, in der kleinen Koppel darf es nur einige Stunden verbringen, wir entscheiden, wann es Nahrung aufnehmen kann und schränken es in seiner Beweglichkeit und seinem sozialen Leben ein. So ein Leben bezeichne ich als ein Zwangsgefängnis und genau das ist es, wovon garantiert kein einziges Pferd träumt, aber sich nach erfolglosen Versuchen und nach geraumer Zeit doch daran gewohnt, obwohl es ein Fluchttier ist. Kann es als echte Freundschaft, als Verbundenheit bezeichnet werden, wenn ein kaum halb so starkes Wesen (der Mensch) über des anderen Leben entscheidet und es beeinflusst? Können wir denn all das, was es veranlasst, zu uns aufzublicken wie zum besten Partner und Freund, für unser Pferd sicherstellen? Können wir unsere Reiterträume dahingehend verwirklichen, dass wir das Pferd “Pferd” sein lassen und auch wir Menschen all das von ihm bekommen, wovon wir träumen? Die Antwort ist Ja, es ist möglich! Wir Menschen müssen es alle erlernen, pferdmäßig zu sehen, zu leben, zu handeln und zu kommunizieren, sodass wir Mitglied der Truppe (Herde), im besten Fall zu seinem (des Pferdes) Alpha-Wesen, seinem Führer (Chef) werden, nicht nur ein Diktator, der nur Aufgaben austeilt und oft auf sehr subjektive Art entscheidet, ob seiner Ansicht nach deren Lösung richtig war oder nicht. Wie oft haben wir Menschen bedacht, ob wir unsere Wünsche auch freundlich (freundschaftlich) verständlich gemacht haben oder eben nicht? Ob das Pferd all das, was wir von ihm verlangten, auch vollkommen verstanden hat? Wie oft denken wir an unsere alltäglichen Fehler und wie oft bitten wir jemanden, unser Verhalten im Interesse unseres Pferdes zu beurteilen? Wie oft hinterfragen wir unser Pferd, ob es zufrieden mit seinem Leben, mit uns, mit seiner Arbeit ist? Nun, auf dieser Seite kann ich mich aus diesem Gesichtspunkt mit Gedanken über die Ausbildung des Pferdes bzw. des Reiters beschäftigen bzw.  darüber, ob wir uns derart mit dem Pferd beschäftigen können, dass es sein natürliches Gleichgwicht englisch: balance) nicht verliert.

Grundprinzipien

Um nach der obigen Einleitung unsere weiteren Ausführungen fortzusetzen,  muss ich einige Grundsätze festhalten. Diese beziehen sich darauf, wie wir denken bzw. uns verhalten müssten, wenn  wir mit Pferden zusammenarbeiten. Bewusst habe ich nicht „reiten“ geschrieben, da man auf einem Pferd nicht nur „sitzen” kann. Sobald ein Pferd anständig behandelt wird, (also pferdegerecht), wird es zu Deinem besten Freund, der sofort jede Deiner Regungen erkennt und spürt, der genau weiß, was für einen Tag, einen guten oder schlechten, Du gerade hast und sogar Deine Gedanken und Absichten verwirklicht, ohne dass Du dies von ihm verlangst. Lasst uns jedoch ein Leitprinzip nach dem anderen betrachten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Pferde sind Fluchttiere, wie ich dies vordem schon beschrieben habe. Dies zu wissen genügt nicht, man muss es auch im Umgang mit ihnen realisieren. Und dies jeden Tag aufs Neue. Ist das Wetter gerade windig oder kalt, oder Dein pferd ist z.B. hungrig, oder gerade im Haarwechsel, erwarte nicht von ihm, dass es ruhig und ausgeglichen ist, weil Du gerade erscheinst. Dein Pferd weiß nämlich nicht, wann es vom Menschen wieder Futter gibt, selbst dann nicht, wenn Du selbst weißt, dass dies nach 10 Minuten geschehen wird. Für das Pferd gilt nur, was im Augenblick Realität ist und genau das macht es zufrieden oder eben unzufrieden, wenn es nicht der Fall ist. Das Pferd lebt von einem Augenblick auf den anderen, es plant weder sein Leben voraus, noch seine “Aufgaben”. Sein Leben wird von seinen Instinkten bestimmt, was wir allzu oft vergessen oder aber einfach missachten. Der Fluchtinstinkt ist sein am stärksten ausgeprägter Instinkt, was dazu beigetragen hat, dass das Pferd nach Jahrmillionen heute immer noch existiert. Vergessen wir nicht, dass dieser Instinkt ungeheuer wichtig für das Pferd ist. Bestrafen wir es nicht, wenn vor irgend etwas erschrickt oder sich fürchtet, weil es sonst sein Vertrauen  zum Menschen verliert, welches dann sehr schwer wieder herzustellen ist. Das Pferd ist wie ein Kind: Du darfst es nicht schlagen, weil es sich vor etwas fürchtet,  tust Du es dennoch, wirst Du ein Leben lang die Folgen bereuen.

 

  • Berechenbarkeit: Sei niemals jähzornig, agiere niemals aus einer plötzlichen Eingebung, wenn Du mit einem Pferd arbeitest. Ich bin mir bewusst, das ist ofmals sehr schwer, dennoch müssen wir uns unser inneres Gleichgewicht immer vor Augen halten. Hast Du nämlich kein inneres Gleichgewicht, wird auch dein Körper nicht ausgeglichen und im Gleichgewicht sein und nicht imstande sein, sich zu entspannen, Ruhe zu vermitteln, logisch zu denken und konzentriert zu handeln (sondern Deine Körpersprache wird sich zum Negativen wenden), was Pferde verstört und verkrampft macht. Sei Für das Pferd eine immer gleichbleibende Konstante, ein ständiger Freund und verlässlicher Gefährte, mit dem es in jeder Situation verlässlich rechnen kann, der immer da ist, unabhängig davon, wie häufig Du es besuchst. Denke im Teamgeist, das heißt hier „Herdengeist“, denn genau das ist es, was dem Pferd nach einer Flucht das stärkste Bedürfnis ist und was es meisten anstrebt. Gib ihm das, was für sein Wohlgefühl notwendig ist, ist dies doch die Grundlage für eine lockere, losgelöste Arbeit. Mit einem verkrampften Tier kann man zwar arbeiten, doch es lohnt sich nicht. Kennen wir jedoch den Grund der Verkrampfung, dann schalten wir diesen doch aus.

 

  • Kommunikationsmittel: Pferde kommunizieren in der Mehrzahl der entscheidenden Fälle mittels Körpersprache, also vergessen wir, dass die Fähigkeit zu sprechen wir Menschen entwickelt haben. Unsere „Lautgebung“ (Stimmhilfen) spielt eine recht geringe Rolle, wenn wir mit dem Pferd arbeiten. Bedenke bloß, wie viele (bzw. wie wenige) Laute das Pferd im Durschnitt des Tages von sich gibt. Diese sind garantiert von ihrer Menge her vernachlässigbar. Die Frage ist: Warum sprechen, babbeln, quatschen wir dennoch so viel zum Pferd? Dies ist für das Pferd völlig wesensfremd und natürlich gewöhnt es sich mit der Zeit auch daran, wenn es keine andere Wahl hat. Sprechen wir also in „Pferdesprache“, wenn wir mit dem Pferd arbeiten. Erlernen wir doch die  Kommunikation des Pferdes, die nichts anderes ist als Körpersprache – das ist es,  was wir Menschen im Zuge der Entwicklung der Sprache im Laufe der Jahrmillionen vergessen haben. Jetzt ist die Gelegenheit, dies im Interesse des Pferdes wieder neu zu erlernen. Das ist so ähnlich, als ob wir unser Kind in der Schule einschreiben, wo dann begonnen wird, ihm eine fremde Sprache zu lehren: Wenn ich mit einer anderen „Kultur“ kommunizieren möchte, muss ich allerdings mit aller Energie erlernen, deren Sprache zu sprechen. Wenn man nun in der Schule Sprachen unterrichtet, müsste man meiner Meinung nach im Pferdestall die Sprache des Pferdes unterrichten. Leider sehe ich dies heutzutage in den allerwenigsten Fällen. Ich gebe jedoch diesen  Kampf gegen Windmühlen nicht auf, ist doch das Ergebnis unbezahlbar: Dein Pferd wird Dich als Pferd (wenn Du erfolgreich und geschickt bist sogar als Alphawesen) erkennen, wird Deinen Wünschen und Forderungen vertrauen. Diese sind nun bereinigt, unmissverständlich für Dein Pferd (nicht nur in Deinen Augen!) und es enden die leider alltäglichen spannungsgeladenen Missverständnisse zwischen Pferd und Mensch. Dein Pferd wird neben Dir handsam, Du aber wirst Eure gemeinsame Arbeit immer mehr als beschleunigt erleben.

  • Die natürlichen Gegebenheiten (des Pferdes): Außer den bisherigen (obigen) Ausführungen müsstest Du Dir noch ziemlich Einiges aneignen, um mit Deinem Pferd bzw. auch aus der Sicht Deines Pferdes mit ihm in natürlichem Einklang zu sein. Dazu gehört der entsprechende geeignete Lebensraum, die Einhaltung des eigenen Biorhythmus‘ des Pferdes bzw. dessen Sicherstellung, die selbstverständliche Hufpflege, Ernährung usw. Damit Dein Pferd zufrieden und ausgeglichen ist, musst Du imstande sein, einen Lebensraum  sicherzustellen, welcher weitestgehend all dies aufweisen soll, was seiner ursprünglichen eigentlichen Lebensweise entspricht. Das Pferd ist  von Natur aus solcherart angelegt, dass es täglich mehrere 10 Kilometer (10 bis 30 km) schreitend wandert und währenddessen ununterbrochen grast. Dazwischen ruht es und pflegt seine Sozialkontakte mit seinen Artgenossen. Das Pferd ist nicht dazu geboren, um in seiner Bewegungsfreiheit und seinen selbstverständlichen Bedürfnissen, eingeschränkt zu sein. Um seiner physischen und psychischen Gesundheit willen lohnt es sich, mindestens einen halben Hektar Weideflächen (Koppeln) bereit zu stellen, welche wir  periodisch wechseln, um jederzeit ausreichend qualitativ hochwertiges Weidegras verfügbar zu haben. Dazu gehört auch Heu von ausgesuchter Qualität. Meiden wir tunlichst alle die künstlich hergestellten gepressten Futter- und Nahrungsergänzungsmittel. Als Körnerfutter ist meiner Ansicht nach Hafer am empfehlenswertesten, den wir auch schroten können, wenn unser Pferd alt ist oder mit irgendwelchen gesundheitlichen Problemen  laboriert. Geben wir gelegentlich auch Äpfel, Karotten oder auch etwas trockenes Brot. Meiden wir wenn möglich auch das Beschlagen der Hufe, weil auch dies nicht der Natur des Hufes entspricht. Schaffen wir einen ständigen Platz, wohin das Pferd sich vor Wind, Regen oder bei wechselhaftem Wetter zurückziehen kann. Wo es in Ruhe rasten kann, der schattig, immer trocken und der Boden sauber ist und wo es immer frisches sauberes Wasser gibt. Sperren wir es nicht  nachtsüber in eine Box, wenn wir gerade meinen, das Wetter sei für das Pferd zu schlecht, sondern überlassen wir ihm die Entscheidung darüber, wann und wo es sich aufhalten will. Die Pferde sind meiner Erfahrung nach immer draußen im Freien, selbst wenn wir Menschen uns nicht aus unserer Wohnung bewegen. Diese naturgegebenen Prinzipien muss man auch aus arbeitsbedingtem Gesichtspunken verstehen: Wenn wir unser Pferd auf der Koppel genau beobachten,  werden wir nach einer Weile bemerken, dass es unter seinesgleichen von selber oder durch andere Herdengenossen veranlasst Seitengänge tritt, regelrecht zurücktritt, Kurzkehrtwendungen oder eine viertel oder halbe Galopppirouette  spielerisch vollführt.  Wir sollten Übungen oder Dressuraufgaben dieser Art nicht überbewerten, weil sie eben gerade in Mode sind. Pferde verfügen über ein angeborenes athletisches Können. Das heißt, ihr natürliches Bewegungsrepertoire ist sehr umfangreich. Vieles gehört dazu, was wir im Rahmen der Arbeit mit dem Menschen ausnahmsweise auf Grand-Prix-Niveau oder auch  in anderem Zusammenhang sehen können.  Vergessen wir nicht: Wovon ich spreche, ist von Natur aus dem Pferd gegeben und ist nicht identisch damit, was wir ihm im Verlauf der Ausbildung beibringen. Wenn wir  allerdings unser Pferd sorgfältig beobachten, werden wir imstande sein, all dies aus ihm herauszuholen, was seitens seiner Gene naturgemäß in ihm steckt. Wir   werden imstande sein, im alltäglichen Normalbetrieb Bewegungsabläufe zu erreichen, die im Allgemeinen als sehr hohes Niveau gelten.

 

  • Verhalten: Verhalten wir uns bei und mit unserem Pferd „pferdgemäß“ und nicht menschenartig. Da Pferde Fluchttiere sind, der Mensch hingegen dem Grunde nach ein  „Raubtier“ ist, kann es sehr leicht geschehen, das wir unserem Pferd gelegentlich menschliche Eigenschaften aufzwingen, manchmal auch unwissentlich und unbeabsichtigt. Seien wir stets gerecht, vorurteilsfrei und ohne Erwartungen. Seien wir also wie ein Pferd. Nehmen wir unser Gegenüber (das Pferd) an als das, was es ist und verändern wir lediglich seine unvorteilhaften Eigenschaften. Die Veränderungen, die wir anstreben, sollen stets  in eine „gute“ Richtung führen. Vergessen wir nicht, dass Pferde nach strengen Regeln, das Prinzip der Hierarchie genau einhaltend, trotzdem in Frieden leben. Dies bedeutet keineswegs Anarchie, sondern gewährleistet vielmehr eine für alle gültige und geltende Form des Zusammenlebens, welche ihre Lebensqualität verbessert und das Überleben sichert. Seien wir ein harmonischer Teil im Leben unserer Pferde und lernen wir  „pferdegerecht“ zu leben, zu denken, zu sehen, zu riechen usw. Lassen wir auf keinen Fall zu, dass unser Pferd menschliche Eigenschaften annimmt! Nur  so werden wir imstande sein, seine Reaktionen, sein Verhalten richtig zu bgeurteilen. Vergessen wir nicht: Der Reiter versteht zwar sein Pferd, der Allerbeste (Reiter) jedoch verinnerlicht all dies und nimmt es auch für sich an.

  • Voreingenommenheit: Bist Du bei Deinem Pferd, sei auf keinen Fall voreingenommen – sei vorurteilsfrei. Dies ist eine rein menschliche Eigenschaft. Dein Pferd ist keineswegs deshalb schöner oder besser als ein anderes, weil es Dir gehört! Glaube ja nicht, dass Dich Dein Pferd lieben wird, weil Du es gekauft hast. Ein Pferd weiß nicht, was es heißt, etwas oder jemanden zu kaufen. Neben all dem glaube ja nicht, dass Pferde nur dumme Tiere sind; Alles was Du tust, erkennt Dein Pferd und speichert es in seinem Gedächtnis. Aufgrund all dessen schätzt es Dich ein und erkennt Dich als seinen Chef an oder aber sich selbst als den Deinen. Und so passiert es, dass die Pferde von jedem Menschen eine konkrete Vorstellung haben und die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen genau kennen und wissen, wo oder bei wem „Austesten“ möglich ist bzw. wo und bei wem eben nicht. Das eine oder andere Pferd wird – je nach Mut – diese Erkenntnis auch ausnützen (es wird sich nicht in Bewegung setzen, wird beim Ausgang stehen bleiben, nicht auf die Hilfen eines unerfahrenen Reiters reagieren usw.). Vergessen wir nicht: Wie Dich Dein Pferd behandelt und wie es Dich sieht, entscheidet darüber, wie „erfolgreich“ Du in seinen Augen als „Chef“ bist. Bist Du das nicht, wird es Dich nie als sein Alpha anerkennen, ganz unabhängig davon, wie sehr Du Dich auch darum bemühst. Um sein Alpha (Chef) zu sein, musst Du ohne Voreingenommenheit sehr viel Energie zum Verständnis seiner Denkweise, seiner Psychologie aufwenden. Sehe das klar als Realität, nicht mehr und nicht weniger.

Wenn wir oben beschriebene Grundprinzipien kurz überdenken, kommen wir zu dem Schluss, dass obige Charakteristika genau diese Eigenschaften sind, über die das Alphapferd (das Herden-Leittier) verfügt. Zusammenfassend möchte ich die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass wir „Pferdemenschen“ über alle die Eigenschaften eines Alphapferdes verfügen müssen (oder vielmehr sollten), um unserem Pferd bzw. unseren Pferden ein Leben lang einen entsprechenden, ausreichenden Lebensraum, Sicherheit und inneres Gleichgewicht gewährleisten zu können. Dies ist notwendig, um Deines Pferdes Oberhaupt, sein „Chef“, sein zu können, damit ihr beide, Du und Dein Pferd, den gemeinsamen Alltag problemlos verbringen könnt, dass Dein Pferde zufrieden und zwanglos und aus eigenem Willen und Antrieb Deinen Wünschen gerne nachkommt oder diese sogar von Dir erwartet. Dies ist es, was ich unterrichte, dies ist auch, wozu jeder Pferdehalter (oder Besitzer) imstande sein müsste: Seinen Gefährten (sein Pferd) zufrieden zu stellen und es zugleich selber auch zu sein. Kurzum bedeutet dies für mich eine echte Verbindung und Partnerschaft, unabhängig von Alter, Rasse und Geschlecht (des Pferdes). Kannst Du Obiges für Dein Pferd nicht sicherstellen, erschwerst Du sein Leben und seine innere Gleichgewichtsfindung – und Eure gemeinsame Arbeit wird schwieriger. Dies sind so alltägliche Dinge, an die Viele gar nicht denken, dass nämlich gerade sie selbst die Ursache mancher Probleme und Missverständnisse sein könnten. Dafür möchte ich nur an ein sehr menschliches Beispiel in Form einer Frage erinnern: Wärest Du imstande, in einem für Dich völlig ungeeigneten, gar nicht idealen Umfeld, das Dir keineswegs entspricht und Dir nicht gefällt, immer zufrieden und ausgeglichen zu sein, zu arbeiten und ein erfülltes Leben zu führen? Ich denke, die Antwort versteht sich von selbst. Aus dieser Erkenntnis heraus gehe hinaus zu Deinem Pferd und überdenke alles auch aus dessen Sicht.

 

Die elementaren Grundlagen der Ausbildung von Pferd und Reiter

Im  Interesse von Pferd und Reiter und einer ausgeglichenen Ausbildung ist es häufig erforderlich, von einem Weg abzuweichen, der von anderen, Außenstehenden, schablonenhaft  vorgezeichnet und für richtig gehaltenen wird und auf eigenen Füßen zu stehen. Um diese Grundelemente herum werden sich, wie rund um einen Leisten, die verschieden gearteten Aufgaben gruppieren, die je nachdem, wo das Pferd oder wo der Reiter gerade stehen, eigentlich beider Fähigkeiten weiter entwickeln. Im Laufe der Ausbildung ist es nicht lohnend, den einen oder anderen Teil, d.h. Pferd oder Reiter, in kurzer Zeit mit allzu großen und allzu vielen Herausforderungen zu belasten, weil dies einer gesunden Entwicklung keineswegs förderlich, vielmehr eher schädlich ist. Wenn wir ein Pferd selber für uns ausbilden, müssen wir bedenken, dass wir alles, was wir mit ihm tun, zugleich für uns beide tun. Zudem muss jedes einzelne Pferd in jene Richtung ausgebildet werden, zu der es Neigung, Talent bzw. Veranlagung zeigt. Wenn es nämlich für eine bestimmte Sparte über die erforderlichen Fähigkeiten verfügt, dann lohnt es sich nach der Grundausbildung in dieser Richtung weiter zu arbeiten, zu aller Zufriedenheit und zur erfolgreichen Entwicklung des Pferdes. Sobald ein Pferd eine Aufgabe, für die es Interesse (das heißt Talent)  zeigt, erfolgreich erledigt, bedeutet das für ihn ein Erfolgserlebnis und es wird dieselbe künftig sehr gerne ausführen. Nützen wir dies aus und vermitteln wir unserem Pferd  dieses Erfolgserlebnis. Meiner Meinung nach  stellt diese mit dem Pferd erarbeitete Arbeitsgrundlage das äußere  und innere Gleichgewicht her (siehe oben), welches zu einem harmonischen Verhältnis zwischen  Pferd und Reiter und auf lange Sicht zu erfolgreicherer und ruhigerer Arbeit führt. Der Reiter aber wird menschlich stabiler und „besser“ werden. Auf jeden Fall beginnt die Arbeit am Boden (Bodenarbeit), (sei das Pferd nun jung oder schon auf irgendeinem Niveau ausgebildet), da es doch bei weitem leichter ist, auf diese Weise mit dem Pferd zu kommunizieren. Es ist solcherart leichter, sich Respekt und Aufmerksamkeit zu verschaffen und auf Dauer zu erhalten. Wir können es am Boden unterrichten und unser Pferd damit auf alles vorbereiten, was wir später beim Reiten von seinem Rücken aus verlangen wollen: Am Boden können wir Grundübungen ausführen, es gymnastizieren und sogar Dressuraufgaben üben. Die am Boden ausgeübte natürliche Pferdeausbildung (natural horsemenship) beinhaltet ein viel breiteres Spektrum, als man gemeinhin annimmt. Es hängt von Dir und Deiner Fantasie ab, wie weit Du damit vorankommst. Im Zuge der Arbeit mit dem Pferd darf man sich keinesfalls ausschließlich nur auf das Training zur Körperertüchtigung konzentrieren, ja es ist dies geradezu verboten. Denn damit unser Pferd zufrieden und ausgeglichen sein soll, ist es notwendig, sich ebenso viel (wenn nicht mehr) mit seinem Inneren, soll heißen mit seiner Psyche,  als mit seinem „Äußeren“ zu beschäftigen. Als ich entdeckte, was mich im Verlauf der Arbeit mit Pferden und deren Ausbildung geleitet hat, entstand in mir der Begriff von „Balance Out Horsemanship“ (im Folgenden kurz BOH), ist es doch genau das, wonach ich immer gestrebt habe und wonach ich auch in Zukunft im Falle eines jeden Pferdes trachten werde: Nämlich um das gemeinsame äußere UND innere Gleichgewicht zu erreichen. Das ist es auch, wonach wir Menschen Lange Zeit hindurch streben und das ist es auch, was wir oftmals selbstsüchtig und aus Eigeninteresse von Anderen erwarten. Das (innere) Gleichgewicht ist eine sehr heikle Sache, die schwer zu erarbeiten und auch schwer zu bewahren ist. Haben wir jedoch schon eine allgemeine generelle Vorstellung davon, vielleicht auch eine äußere, fremde Hilfe dazu, wird die Sache  für uns leichter sein. Folglich wird unser Pferd seine Trainingsaufgaben dann gut ausführen, wenn wir auch in Stresssituationen in der Lage sind, im optimalen äußerlichen sowie  auch innerlichen Gleichgewicht zu verbleiben und uns darin entsprechend zu verhalten. Allein die Situation, seine (des Pferdes) Ausbildung und seine Persönlichkeitsmerkmale entscheiden, in welchem Fall auf welcher (äußeren/inneren) Einzelheit die Betonung (für die Ausbildungsarbeit) liegt. Das ist es, was mich im Laufe der Jahre meines Reiterlebens sehr bewegt hat. Das ist es auch, was ich in Zukunft weiterführen möchte: Durch weitere Vervollkommnung meiner Arbeit und dadurch Hebung und Verbesserung  der Qualität und Harmonie im Leben der Pferde.

BOH beruht auf obigen Grundprinzipien und verhilft Hand in Hand Pferd und Reiter zum  Fortschritt. Des leichteren Verständnisses halber möchte ich ein kurzes Schema alles dessen zeichnen, was ich in den meisten Fällen von mir selber als Trainerin fordern würde:

– Die natürliche und somit auch die an der Rasse orientierte Starthilfe für junge Pferde oder Fohlen.

– Umschulung mit der natürlichen Methode bzw. parallele Rückschulung von bereits auf irgend eine andere Weise ausgebildeten älteren Pferden.

– Die natürlichen Behandlung von Problempferden oder Planung eines Aufbautrainings infolge von Verletzungen bzw. Traumatisierungen der verschiedensten Art.

– Die Psychologie des Pferdes bzw. die Anwendung der (beschriebenen) Methode im Verlauf des Spring- und Dressurreitens.

Aus allen diesen Erläuterungen ist ersichtlich, dass die BOH –gemäße Pferdeausbildung sehr vielfältig ist und im Falle einer entsprechenden menschlicher Öffnung dafür äußerst mannigfache Möglichkeiten anbietet. Damit die Entwicklung in richtigem Rhythmus erfolgt, ist es auf jeden Fall angebracht, sich an einigen Meilensteinen zu orientieren. Diese sind in zeitlicher Reihenfolge (im Falle eines rohen Fohlens) die folgenden:

  1. Desensibilisierung
  2. Arbeit am Seil
  3. Arbeit im Freien (Liberty)
  4. Zureiten mit einem Zügel/Seil
  5. Zureiten mit zwei Zügeln/Seilen
  6. Reiten ohne Zügel
  7. SpezialisierungBeachten wir, dass obige Liste sich auf den Fall bezieht, dass der Besitzer des gegenständlichen Pferdes kein Reitanfänger mehr ist und imstande ist, die einzelnen Punkte der obigen Liste zu realisieren. Es ist nicht möglich, aufgrund obiger Abschnitte zu entscheiden, wieviel Zeitaufwand  nötig ist. Als goldene Regel pflegte ich zu sagen, dass wir für jede Sache genau so viel Zeit aufwenden müssen, als genau diese Aufgabe für sich erfordert, nicht mehr und nicht weniger. Falls im Verlaufe der Ausbildung Unsicherheiten auftreten sollten, ist es empfehlenswert, einen erfahrenen Trainer oder Trainerin zu Rate zu ziehen. Vergessen wir nie, das Pferd ist Alles und das liegt damit auch in unserem Interesse.

Mehf Info: zsuzsanna.racz83@gmail.com

 

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